Hallo, ich bin Lino.
Bis vor kurzem habe ich noch im Tierheim gelebt. Ich wurde gemeinsam mit meiner Katzenmama und meinen fünf Geschwistern dort hingebracht. Wir waren in Sicherheit und erstmal war alles gut. Doch es hieß irgendwann müssen wir in eine neue Familie.
Auf die eine Art eine ganz spannende Vorstellung, aber was wenn es schief geht und die neue Familie nicht gut zu uns passt?
Eines Tages kam dann wieder eine Frau und schaute bei uns vorbei, einige meiner Geschwister waren schon ausgewählt worden.
Ganz mutig und neugierig pirschte ich mich in Sichtweite, denn ich hatte ein gutes Gefühl als ich die freundliche Frau sah.
Und tatsächlich, sie sagte sofort als sie mich erblickte, der kleine Kater hier darf es sein.
Wow ich war stolz , aber auch ganz aufgeregt.
Jetzt dachte ich natürlich es geht gleich los. Aber nix da, die Frau verschwand wieder und ein Zettel mit meinem Namen LINO und „reserviert“ wurde an die Tür gesteckt.
Weil, wir mussten noch ein wenig wachsen und bei unserer Mama bleiben, den Kitten sollen nicht vor der 12. Woche vermittelt werden.
Gut, na immerhin ich war ja nun auch „reserviert“ und so konnte ich noch einige Wochen mit meinen Geschwistern toben und bei meiner Mama bleiben.
Und dann war es plötzlich so weit.
Die freundliche Frau setzte mich vorsichtig in eine Transportbox. Sie sprach ganz leise mit mir und sagte, dass ich jetzt nach Hause fahre.
Nach Hause?
Ich wusste gar nicht so richtig was das bedeutet.
Die erste Autofahrt meines Lebens

Das Auto machte seltsame Geräusche. Es brummte und vibrierte. Alles bewegte sich. Mal wurde es schneller, mal langsamer.
Ich drückte mich vorsichtig in die hinterste Ecke meiner Box.
Was passiert hier?
Wo fahren wir hin?
Werde ich wieder zurückgebracht?
Mein kleines Herz klopfte ganz schön schnell.
Ab und zu hörte ich die Stimme der Frau.
„Alles gut, kleiner Lino. Wir sind gleich da, ich fahre ja schon ganz vorsichtig.“
Irgendwie klang das beruhigend.
Ein unbekanntes Zuhause
Nach einer Weile wurde es still. Die Transportbox wurde angehoben und ich konnte neue Gerüche wahrnehmen. Es roch nach Natur, ich spürte Wind, Sonne und sogar ein paar Regentropfen sausten an mir vorbei.
Dann wurde es wieder geschützt und wir kamen in mein neues zu Hause.
Es roch nach Menschen.
Nach Möbeln.
Nach Futter.
Und …
Moment mal.
Nach Katze!
Ich erstarrte.
Hier wohnte schon eine andere Katze!
Was, wenn sie mich nicht mag?
Was, wenn sie mich wegjagt?
Was, wenn ich niemals aus meiner Box herauskommen darf?
Vorsichtig öffnete sich die Tür.
Doch statt einer fremden Katze erwartete mich ein ruhiges Zimmer.
Mein eigenes kleines Reich
Das Zimmer war nur für mich vorbereitet worden.
Dort standen ein weiches Bettchen, eine Katzentoilette, frisches Wasser und ein Napf mit leckerem Futter.
Ich konnte es kaum glauben.
Alles nur für mich?
Zuerst blieb ich noch eine ganze Weile unter einem Stuhl sitzen.
Man konnte ja nie wissen.
Aber der Duft des Futters war einfach zu verlockend.
Also schlich ich langsam hervor.
Ein Schritt.
Noch ein Schritt.
Und noch einer.
Niemand jagte mich.
Niemand schimpfte.
Also begann ich zu fressen.
Und weil ich sehr hungrig war, fraß ich fast den ganzen Napf leer.
Manchmal kam meine neue Ohne- Fell- Mama zu mir und lass mir ganz leise was aus einem Buch vor, dann schlief ich meistens ein.

Wer wohnt hinter der Tür?
Nach meinem Essen begann meine Neugier zu wachsen.
Hinter der Tür hörte ich manchmal leise Schritte.
Ab und zu erklang ein sanftes Mauzen.
Die andere Katze!
Ich stellte mir vor, wie sie aussehen könnte.
Vielleicht riesengroß?
Vielleicht grimmig?
Vielleicht mit scharfen Krallen?
Oder vielleicht genauso neugierig wie ich?
Ich setzte mich vor die Tür und lauschte.
Auf der anderen Seite wurde ebenfalls geschnuppert.
Wir konnten uns zwar nicht sehen, aber wir wussten beide:
Da ist noch jemand.
Jeden Tag ein bisschen mutiger
In den nächsten Tagen wurde ich immer mutiger.
Ich erkundete jeden Winkel meines Zimmers und sprang auf die Fensterbank. Von dort konnte ich die Außenwelt beobachten.
Ich beobachtete die Vögel und Menschen und Autos.
Auch hatte ich jede Menge Spielsachen bekommen, Mäuse, Bällchen und kleine Plüschtiere.
Und jedes Mal, wenn meine Menschen ins Zimmer kamen, freute ich mich ein bisschen mehr.

Langsam begann ich zu verstehen:
Ich musste keine Angst mehr haben.
Niemand würde mich wieder wegbringen.

Ein neues Leben beginnt für Lino
Eines Tages durfte ich schließlich die ersten Räume außerhalb meines Zimmers entdecken.
Alles war neu und spannend.
Und natürlich begegnete ich irgendwann auch der anderen Katze.

Sie war gar nicht gruselig sondern schaute mich nur neugierig an.
Ich schaute neugierig zurück.
Wir hielten ein wenig Abstand.
Schließlich mussten wir uns ja erst kennenlernen.
Aber tief in meinem kleinen Katzenherz wusste ich bereits:
Hier ist mein neues zuhause.
Ich habe eine wunderbare neue Familie gefunden.
Und vielleicht beginnt heute das schönste Abenteuer meines Lebens.
Euer Lino.

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Viele Katzen aus Tierheimen erleben ähnliche Gefühle, wenn sie in ein neues Zuhause ziehen. Mit Geduld, Liebe und einer langsamen Eingewöhnung können aus ängstlichen Kätzchen selbstbewusste und glückliche Familienmitglieder werden. Einen ganz lieben Dank an alle tierlieben Helfer des Tierschutzes.
